Ordinationsplanung 5 – Verständnis für den Raum

Arztpraxis planen, die Kieferorthopäden Zahnhelden machen es vor

Arztpraxis planen: Erschließungsbereich der Kieferorthopädie Zahnzauber → zum Projekt

 

Die Planungsanamnese: Arztpraxis planen

 

Bevor Sie einen Grundriss zeichnen, müssen Sie Ihre Praxis verstehen

Eine sichere Diagnose stellt man bekanntlich erst nach einer gründlichen Anamnese. Genau diese Regel gilt auch für die Ordinationsplanung. Egal, ob Sie selbst planen, einen Architekten beauftragen oder mit einem spezialisierten Praxisplaner zusammenarbeiten – weite Bereiche dieser „Planungsanamnese“ kann Ihnen niemand abnehmen.

Stellen Sie sich folgende Fragen. Nehmen Sie sich Zeit dafür. Reden Sie mit Ihren Partnerinnen und Partnern, sprechen Sie mit Kolleginnen und Kollegen, die bereits niedergelassen sind. Besuchen Sie unterschiedliche Ordinationen und beobachten Sie Abläufe im Alltag. Denn je genauer Sie Ihre eigene Praxis verstehen, bevor ein einziger Raum geplant wird, desto besser wird das Ergebnis und desto geringer sind spätere Korrekturen im Betrieb.

 

Welche medizinischen Leistungen werden Sie tatsächlich erbringen?

Das klingt trivial, ist es aber nicht. Werden Sie invasive Eingriffe durchführen? Brauchen Sie dafür bestimmte OP-Bedingungen? Setzen Sie auf moderne bildgebende Verfahren? Haben Sie vor, bestimmte apparative Diagnostik selbst zu betreiben? Jede dieser Entscheidungen hat direkte Auswirkungen auf Raumgrößen, Technikausstattung, Hygieneanforderungen und behördliche Auflagen.

 

Wie viele Patienten werden Sie pro Stunde behandeln – und wie viele möchten Sie behandeln?

Das sind zwei unterschiedliche Fragen. Die wirtschaftliche Notwendigkeit steht gegen Ihre Vorstellung von guter Medizin. Beides muss in Einklang gebracht werden. Ein typischer Hausarzt hat andere Taktzeiten als ein Wahlarzt für ästhetische Chirurgie. Planen Sie zehn Minuten pro Patient? Fünfzehn? Dreißig? Daraus ergibt sich nicht nur die Anzahl der Behandlungsräume, sondern auch die Dimensionierung von Wartebereich, Anmeldung und administrativen Flächen.

 

Wie werden Sie mit Ihren Patienten kommunizieren?

Klingt nach einer weichen Frage, hat aber handfeste bauliche Konsequenzen. Führen Sie ausführliche Gespräche am Behandlungsstuhl? Oder sitzen Sie mit Ihren Patienten an einem Schreibtisch? Brauchen Sie einen separaten Besprechungsraum für Aufklärungsgespräche? Wo ziehen Sie sich zurück, wenn Sie ein vertrauliches Telefonat führen müssen? In vielen Praxen scheitert der Ablauf genau daran, dass für diese scheinbaren Kleinigkeiten keine geeigneten Räume vorgesehen wurden.

 

Wie arbeiten Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Arbeiten Sie mit einer Arzthelferin, die alles macht, oder mit spezialisierten Teams? Gibt es eine medizinische Assistentin, die ausschließlich am Patienten arbeitet, und eine administrative Kraft, die sich um Anmeldung, Verrechnung und Organisation kümmert? Wo halten sich Ihre Mitarbeiter auf, wenn sie nicht direkt am Patienten tätig sind? Wo machen sie Pause? Wo lagern sie ihre persönlichen Dinge? Ein gut geplantes Mitarbeiterbereich ist kein Luxus – er ist entscheidend für die Zufriedenheit Ihres Teams und damit für die Atmosphäre in Ihrer Praxis. Auch kurze Wege, klare Strukturen und funktionale Rückzugsräume spielen dabei eine wichtige Rolle.

 

Warum die Planungsanamnese unverzichtbar ist

Eine sichere Diagnose stellt man erst nach gründlicher Anamnese – das gilt in der Medizin wie in der Ordinationsplanung. Die Fragen aus diesem Beitrag können Ihnen weder Architekt:in noch Planer:innen in der Praxis abnehmen. Sie kennen Ihren Arbeitsstil, Ihre Taktzeiten, Ihre Patienten. Ihr Wissen und Ihre Vorstellungen ist eine wesentlich und verlässliche Grundlage für einen Grundriss, der im Alltag funktioniert. Nur darauf aufbauend entsteht eine Praxis, die langfristig effizient und wirtschaftlich betrieben werden kann.
 

Schritt für Schritt zur eigenen Anforderungsliste

Nehmen Sie sich Zeit – nicht eine Stunde, sondern mehrere Tage. Reden Sie mit Kolleginnen und Kollegen, die bereits niedergelassen sind. Besuchen Sie Ordinationen, die als gut funktionierend gelten. Machen Sie sich Notizen zu dem, was Sie sehen: Was läuft reibungslos? Wo entstehen täglich kleine Reibungsverluste? Achten Sie dabei auch auf Details wie Wegeführung, Organisation und Materialfluss im Alltag. Aus diesen Beobachtungen entstehen Anforderungen, die kein Planungsgespräch allein zutage fördert.

Die Konsequenzen für die Raumstruktur beschreibt -> Teil 6: Zwei Kreisläufe.

 


Aus der Ordinationsplanung-Serie:
← Teil 4: Der Start  |  Teil 6: Zwei Kreisläufe.

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