Ordinationsplanung 2 – Bedarfsanalyse

Allgemeinmedizin modern gedacht : Die neue PVE im 21. Bezirk im Rahmen der Bedarfsanalyse→ zum Projekt
Nach der Funktionsanalyse kommen Sie zur nächsten, ebenso wichtigen Frage:
Welche Räume brauchen Sie tatsächlich –
und in welcher Größe?
Viele Kolleginnen und Kollegen neigen dazu, von ihren bisherigen Arbeitsplätzen aus zu denken. „Wir brauchen zwei Behandlungszimmer.“ Aber stimmt das im Rahmen Ihrer Bedarfsanalyse wirklich für Ihre eigene Praxis? Vielleicht arbeiten Sie mit einem anderen Behandlungskonzept. Vielleicht setzen Sie auf ein Modell mit einem zentralen Behandlungsraum und mehreren Vorbereitungs- und Nachbereitungszonen. Vielleicht planen Sie als Wahlarzt mit längeren Behandlungseinheiten und brauchen daher weniger, dafür aber größere Räume.
Der Behandlungsraum
hier treffen alle Funktionen aufeinander. Er sollte groß genug sein, um sich ungehindert um den Patienten herum bewegen zu können. Zu kleine Behandlungsräume sind einer der häufigsten Fehler in der Ordinationsplanung. Die gängigen Normen geben Mindestgrößen vor, aber diese Mindestgrößen sind oft tatsächlich nur das Minimum. Denken Sie daran: Sie werden in diesem Raum täglich viele Stunden verbringen. Hier sollte Platz sein für Sie, Ihre Mitarbeiterin, den Patienten, die notwendigen Geräte, und auch für einen Rollstuhl oder eine Begleitperson, wenn nötig.
Die Anmeldung
ist die Schaltzentrale Ihrer Praxis. Sie braucht einen guten Überblick über Eingang, Wartebereich und die Behandlungsräume. Gleichzeitig muss sie so positioniert sein, dass vertrauliche Gespräche nicht vom Wartebereich mitgehört werden können. Die Arbeitsfläche muss ausreichend groß sein für Computer, Drucker, Telefon, Ablagesysteme und die täglichen Arbeitsmaterialien.
Der Wartebereich
sollte einladend sein, aber auch funktional. Können Patienten von hier aus sehen, wann sie an der Reihe sind? Gibt es eine klare Orientierung? Wo hängen Informationen aus? Ist der Bereich so gestaltet, dass Patienten sich wohlfühlen, aber auch nicht das Gefühl haben, in einer Lounge zu sitzen – die Erwartungshaltung sollte der Praxisrealität entsprechen.
Sterilisation und Aufbereitung
dieses Thema wird oft unterschätzt. Die gesetzlichen Anforderungen an die Aufbereitung von Medizinprodukten sind komplex und werden zunehmend strenger. Sie brauchen klare räumliche Trennung zwischen unrein und rein. Sie brauchen Platz für die Geräte, für Arbeitsflächen, für Dokumentation. Und Sie brauchen einen Arbeitsablauf, der logisch ist und Kontaminationen vermeidet.
Das Materiallager
ist kein Abstellraum. Es muss so organisiert sein, dass Ihre Mitarbeiter schnell finden, was sie brauchen, und dass der Bestand gut überblickt werden kann. Die Größe richtet sich nach Ihrem Lagervolumen – wenn Sie viele Verbrauchsmaterialien in größeren Gebinden einkaufen, brauchen Sie entsprechend Platz.
Der Personalbereich
Umkleide, Sanitär, Aufenthaltsraum – sind kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Ihre Mitarbeiter verbringen einen Großteil ihres Tages in Ihrer Praxis. Ein ansprechender Rückzugsort, ein Platz für die Pause, eine Möglichkeit, sich umzuziehen und die persönlichen Dinge sicher zu verstauen ist nicht nur genehmigungsrechtlich notwendig, er trägt wesentlich zur Mitarbeiterzufriedenheit bei. Und zufriedene Mitarbeiter sind bekanntlich die besten Botschafter Ihrer Praxis.
Bedarfsanalyse als Fundament der Ordinationsplanung
Die Bedarfsanalyse legt fest, welche Räume Ihre Ordination wirklich braucht – und in welchem Verhältnis zueinander. Erst wenn dieses Raumprogramm steht, kann ein sinnvoller Grundriss entstehen. Ohne Bedarfsanalyse plant man Wände, nicht Abläufe.
Nehmen Sie die Raumarten aus diesem Beitrag als Checkliste. Streichen Sie, was für Ihr Fach und Ihr Arbeitsmodell irrelevant ist. Ergänzen Sie, was fehlt. Das Ergebnis ist Ihr individuelles Raumprogramm – die eigentliche Grundlage jeder Ordinationsplanung in Wien und Österreich.
Typische Fehler bei der Bedarfsermittlung
Zu kleiner Sterilisationsraum, weil die Normen unterschätzt wurden. Kein Personalbereich, weil er als Luxus gilt. Zu wenige Behandlungsräume für die geplante Taktzeit. Fehlende Lagerflächen, unklare Wegeführung und schlecht platzierte Anmeldung verschärfen die Probleme im täglichen Ablauf erheblich. Solche Fehler kosten – im Betrieb täglich, bei Nachbesserungen einmalig aber teuer. Deshalb ist eine sorgfältige Bedarfsanalyse die günstigste Versicherung, die Sie für Ihre Ordinationsplanung abschließen können.
Das PVE im 21. Bezirk zeigt exemplarisch, wie eine konsequent durchgeführte Bedarfsanalyse von Beginn an die Grundlage für eine funktionierende, zukunftssichere Ordinationsstruktur schaffen kann.
Aus der Ordinationsplanung-Serie:





